+++Logbuch der HEIDE-WITZKA unter http://logbuch.segelkameradschaft-buchholz.de/category/heide-witzka+++++

Willkommen an Bord

 

Die Crew: Heinz Krüger, Skipper Jürgen Pastorino, Bestmann

Das Boot: 8,5m Stahl-Schwertkreuzer "Seehund". Besonderes Merkmal: Man stößt sich in der Kajüte immer den Kopf.

Dienstag, 3. August 2004, Rüschkanal Finkenwerder.
1. Tag.
07:45 MESZ, 15 Min nach Hochwasser: Es geht los!
Elbabwärts. Wind 1 von vorne (woher sonst?), Sonnenschein!
10:05, Einbiegen beim Leuchtfeuer Juelssand, genannt "Kleiner Kohn", in das Dwarsloch.
Weiter durch das enge Fahrwasser der Haseldorfer Binnenelbe, vorbei an ausgedehnten Schlickbänken und Schilfflächen, in die Pagensander Nebenelbe. Bei Kollmar zurück in das Elbe-Hauptfahrwasser und dann hinter der Rhinplatte in die Glückstädter Nebenelbe und vorbei an Glückstadt.
Vor der Störmündung ist es dann vorbei mit dem Ebbstrom. Um 12:30 Uhr fällt der Anker. 5 ½ Stunden Pause, Zeit für eine Erbsensuppe. Windstille, es ist heiß. Wir müssen ein Sonnensegel bauen.
18:00 Uhr, der Ebbstrom kommt wieder, Anker auf. Ebbstrom und Diesel schieben uns mit 7,5 Knoten elbabwärts. Später werden es einmal 8,5 Knoten sein. Die Fahrwassertonnen kommen uns mit gewaltiger Bugwelle entgegen.
19:50 Uhr, vorbei an Brunsbüttel. Eigentlich wollten wir in den Hafen von Brunsbüttel einlaufen, aber der Ebbstrom schiebt noch so schön. Also weiter, vielleicht kommen wir noch durch den Priel nach Neufeld.
20:30 Uhr vor Neufeld, direkt an den Pricken, aber wo ist der Priel? Zu erkennen ist eine kleine Kerbe im Schlick, aus der ein wenig Wasser rinnt. Es ist drei Tage nach Vollmond, Springzeit. Nur Ostseesegler können auf die Idee kommen, zur Springzeit, 3 ½ Stunden nach Hochwasser mit einem Schiff nach Neufeld fahren zu wollen. Zu Fuß möchte es aber wohl gehen.
Immer wieder packt uns dagegen der mächtige Ebbstrom der Elbe und die hohen Schlickbänke sind so verdammt nahe. Nichts wie weg hier! Die Ostemündung ist nicht weit.
20:50 Uhr, einlaufen in das Ostefahrwasser. Aber was ist los? Wir stehen auf der Stelle! Der Ebbstrom der Oste ist kaum geringer als der der Elbe, aber für uns kommt er jetzt aus der falschen Richtung. Wir müssen gegen an. 1,5 Knoten über Grund.
Um 21:25 Uhr haben wir die breite Bucht in der Osteschleife zwischen den Tonnen 11 und 13 erreicht. Ein weiterer Segler kennt diesen Platz auch. In sicherem Abstand zu ihm fällt der Anker. Es ist immer noch angenehm warm. Unser Abendbrot und ein wenig Getränk nehmen wir im Cockpit ein.
Beim nächsten Hochwasser soll es weiter gehen. Wann ist das? 05:30 Uhr, sagt der Tidenkalender, jetzt ist es 23:20, oh....! Aber wir haben es ja so gewollt!

Mittwoch, 4. August
2. Tag
Anker auf, es ist 06:30 Uhr! Es geht wieder zurück ins Elbefahrwasser.
Die Strömung ist noch sehr schwach, aber sie kommt wenigstens aus der richtigen Richtung.
Wir beschließen, den Haupt-Dampfertreck zu meiden und gehen durch die nördlich verlaufende Medemrinne.
Bereits gegen 08:10 Uhr passieren wir die Kugelbake. Der Wind hat auf NO gedreht, ist aber immer noch sehr schwach. Segel zu setzen lohnt sich nicht.
Der Ebbstrom beträgt jetzt wieder um die 3,5 Knoten. Bereits um 09:40 Uhr stehen wir direkt vor dem ersten Tonnenpaar des Neuwerk-Fahrwassers.
Es ist etwa 1 Stunde vor Niedrigwasser und es wird jetzt plötzlich sehr flach. Direkt zwischen den beiden Tonnen kräuselt sich das Wasser. Wir holen das Schwert ganz auf und lösen das Ruderblatt, Das Boot ist unten jetzt ganz flach und hat noch etwa 50cm Tiefgang. Sollte das Ruder Grundberührung bekommen, wird es sofort hoch klappen. Langsam laufen wir auf die Tonnen zu. Die Ruderpinne fängt an zu vibrieren, das Ruder kommt hoch, aber das Boot bewegt sich noch. Direkt zwischen den Tonnen zeigt das Echolot noch 30cm an, Tendenz eher weiter abnehmend. Aber das Boot bewegt sich immer noch. Das Ruder ist weit hoch geklappt und rubbelt über den Meeresboden.
Jetzt endlich wird es wieder tiefer, 50cm, 90cm, üppige 1,2m. Aber kurz hinter der 3. grünen Tonne, in einer buchtartigen Verbreiterung des Fahrwassers, ist dann doch Schluß. Um 10:00 Uhr fällt der Anker. In einiger Entfernung "parkt" bereits ein weiterer Segler.
An der Wattkante, ganz in unserer Nähe, liegen Seehunde. Ich zähle mindestens 50 Tiere.
Bereits um 12:30 Uhr können wir weiter. Scharf an den Pricken entlang kommen wir zum Fähranleger von Neuwerk. Hier ist auch Platz für zwei Sportboote. Leider waren beide schon da. Sie liegen ohnehin hoch und trocken auf dem Schlick.
Weiter geht es für uns aber nicht, der Priel ist hier zu Ende. Also: Anker aus. Die Luft ist wieder sehr warm, unser Bier auch und ein nettes Lokal liegt direkt hinter dem Deich, nur etwas mehr als einen Steinwurf entfernt. Aber wir können nicht an Land!
Es gibt noch einen kleinen Hafen an der Südseite von Neuwerk. Ich kannte ihn von einem früheren Ausflug her. Ein winziges Schlickloch. Nach meiner Überzeugung höchstens geeignet für Ruderboote und kleine Jollen. Aber jetzt kann ich dort recht hohe Masten erkennen.
Mit auflaufender Flut verlassen plötzlich drei Masten ihre Position und verschwinden. Wir sollten es versuchen! An eine Rinne im Watt Richtung Hafen kann ich mich nicht erinnern. Pricken gibt es auch keine. Aber vielleicht ist das Wasser ja hoch genug, es ist ja immer noch Springzeit. Anker auf, Echolot an und ganz langsam los. 1m, 90cm, wieder 1m, es geht!
Wir halten einigen Abstand zur Inselkante. Noch etwa 500m bis zur Hafeneinfahrt. Von hinten kommt ein Katamaran auf. Er läuft etwas näher an der Kante entlang und ist schneller als wir. Ob er sich hier besser auskennt? Er wird uns noch den letzten Platz im Hafen wegnehmen. Katamarane brauchen viel Platz.
Echolot: 90cm. Ich trau mich nicht, schneller zu fahren. Der Kat holt auf. Plötzlich bleibt er zurück. Jetzt bewegt er sich gar nicht mehr. Er sitzt! Aus! Der Hafenplatz ist unser - wenn wir die letzten 200m schaffen. Vor der Hafeneinfahrt plötzlich viele Pricken. An welcher Seite vorbei? Egal, direkt auf die Einfahrt zu. Echolot: 1m, noch 20m, es wird tief! Geschafft!
In der Engen Hafeneinfahrt plötzlich laute Rufe von Land her: "Lange Heckleine her"! Bei uns kommt Hektik auf. Eine Leine wird rüber geworfen. Weitere Rufe: "Bugleine!" Ein schöner Liegeplatz, direkt vor uns. Von hinten tönt es: "Nimm ihn längsseits!" Noch mehr Rufe: "Wollt ihr länger bleiben?" "Nein!" "Dann dreh ihn doch gleich um! Leg ihn doch an die Mauer, dann kann er gleich weg!" Eine Frau und vier Männer bemühen sich jetzt um unser Boot, drehen uns von Land her um, ziehen es an die Mauer und belegen die Leinen. Bei so einem komplizierten Manöver stört die unmaßgebliche Meinung des Skippers nur. Man braucht ihn gar nicht. Das Boot ist vertäut. Nur eine weitere Spring muß noch gelegt werden.
Zum Schluß wird der Skipper dann doch noch wahrgenommen.
"Licht he so goot, Kaptain?" Ah, man spricht hier Platt! "Jo, licht goot, scheun' Dank ook". Auf Platt geht es dann noch eine ganze Weile weiter. Irgendwann dann die Frage an uns, wann es denn weiter gehen soll. "Morgen früh, bei Hochwasser",
"Ja, wir auch, ist um viertel vor fünf".
"Waas? Oh nein.....!" "Ja, kommt doch mit uns, wir gehen direkt übers Watt nach Cuxhaven. Es gibt dort 'ne flache Stelle im Leitdamm, da kommt man zu dieser Zeit noch rüber." Was? Wir? Mit unserem Boot über die harten Steine des Leitdamms? Nein danke, aber alles hat seine Grenzen. Verständnisloses Kopfschütten bei unseren Gesprächspartnern.
Es ist jetzt 16:30 Uhr. Waschräume? Gibt es nicht. Toiletten? Gibt es nicht. Mülltonnen? Gibt es nicht. Es kostet aber auch kein Liegegeld.
Wir sehen uns etwas auf der Insel um. Der Leuchtturm wird leider gerade für Besucher geschlossen.
Als wir zum Boot zurück kommen, ist das Wasser weg. Die Schiffe liegen in einer kleinen Wasserlache in einem tiefen Schlickloch. Dort, wo wir unsere Fahrrinne zum Hafen gesucht hatten, gehen jetzt Leute spazieren. Unser Katamaran liegt hoch und trocken. Er hat einen Ankerball gesetzt. Aufgereiht in größerer Entfernung liegen noch zwei weitere Schiffe in der Gegend herum. Auch sie haben es nicht mehr bis zum Hafen geschafft. Aber in einigen Stunden geht's ja weiter. Auch die Hafeneinfahrt ist trocken gefallen. Im Schlick sieht man die Schleifspuren jener Schiffen, die es gerade noch geschafft haben.
Wir beschließen, in dem nahen Lokal etwas feste Nahrung und Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Es ist ein lauwarmer Sommerabend. Später findet sich an Bord sogar noch eine Flasche Wein. Am nun sichtbaren Gebälk der Hafenmauer versuchen Krabben empor zu klimmen und fallen immer wieder ins Wasser zurück. Warum tun die das?
Irgendwann fällt uns ein, da war doch noch was mit viertel vor fünf morgen früh?
Damit endet der zweite Tag.

Donnerstag, 5. August.
3. Tag
Auslaufen ist für 4:45 Uhr geplant. Es ist noch dunkel. Um 4:30 Uhr ist noch alles ruhig, aber kurz darauf schleicht ein besorgter Segler um die Schiffe, um sich zu vergewissern, daß die Crews derjenigen Schiffe auch wach sind, die Platz machen müssen damit er raus kann. Um 4:45 Uhr dann, wie auf Kommando, werden überall die Motoren gestartet, die Leinen los geworfen und ab geht's. Das ganze gleicht eher einer Flucht denn einem kontrollierten Manöver.
Die Schiffe verlassen den engen Hafen, und stieben nach backbord Richtung Leitdamm davon. Nur die etwas hasenfüßigen Segler aus der Nordheide bevorzugen den Kurs nach steuerbord, Richtung Fähranleger und Hauptfahrwasser.
Es herrscht bereits Ebbe und in schneller Fahrt geht's am Fähranleger und den Pricken vorbei zur Elbe, die wir etwa um 5:50 Uhr erreichen. Auch dort läuft jetzt ein mächtiger Ebbstrom, der uns glatt bis nach Helgoland spülen könnte. Es ist aber etwas Wind aufgekommen, der zwar reichlich von vorne kommt (bei mir kommt der Wind immer von vorne), aber mit Motor plus Segel kommen wir doch gut gegen die Ebbe an. Mit zwei Kreuzschlägen kommen wir bis zum Mittelgrund. Hier beginnt der Leitdamm und der Raum zum Kreuzen wird enger. In der Elbmündung ist Aufkreuzen innerhalb des Fahrwasser verboten und nur mit Motor kommen wir nicht voran. Wir beschließen daher in das Wattfahrwasser einzulaufen, Richtung Eitzensand. Östlich von Tonne WE32, an der Kante zum Mittelgrund, bei 6m Wassertiefe, werfen wir um 7:05 Uhr Anker, um die Tide abzuwarten.
Wir haben jetzt wieder 3½ Stunden Zeit. Es ist sehr warm. Mein Bestmann verschwindet im Vorschiff.
Jetzt fällt es mir wieder ein, daß das letzte Duschbad eigentlich schon recht lange zurück liegt. Für ein Vollbad in der Nordsee ist hier allerdings die Strömung zu stark. Aber ein Duschbad mit der Pütz sollte gehen. Es ging!
Um 10:40 Uhr gehen wir Anker auf, und der freundliche Flutstrom schiebt uns mit zunehmender Fahrt an Cuxhaven vorbei und weiter elbaufwärts.
Kurz hinter Cuxhaven treffen wir den Katamaran, der in Neuwerk neben uns gelegen hat. (Ein anderer als jener, der uns den Liegeplatz überlassen hat). Ein kurzer Gruß, wir freuen uns, zumindest einer ist nicht am Leitdamm zerschellt!
Um 13:40 Uhr, ungefähr bei Otterndorf, setzen wir Segel und stoppen den Motor! Zum ersten Mal auf diesem Törn nur unter Segel!
Jetzt wird aufgekreutzt und der Flutstrom hilft dabei. Wir haben drei bis vier Windstärken, Böen 4-5 und um 18:00 Uhr gehen wir - nicht vor Anker, nein, wir machen im Hafen von Glückstadt fest und gönnen uns einen Landgang mit Restaurantbesuch.
Völlig unverhofft fand sich später im Schiff auch noch eine Flasche Wein und zum Glück war der Abend noch angenehm warm, so daß wir diese nicht in der Kajüte austrinken mußten.
Ende des dritten Tages.

Freitag, 6. August
4. Tag
Es geht nach hause. Ziel: Finkenwerder Rüschkanal.
Dieses mal können wir ausschlafen.
Morgens schlendern wir noch ein wenig durch die Stadt und über den Wochenmarkt.
Auslaufen um 13:00 Uhr.
Die Sonne scheint, es ist warm. Wind 4-5 aus Ost. Genau gegen an. (Was sonst)? Aber der Flutstrom hilft mächtig. Wir wollen segeln, das heißt, kreuzen.
14:00 Uhr, 16:00 Uhr, 18:00 Uhr, wir kreuzen immer noch. Endlich, 19:00 Uhr, Blankenese, Mühlenberger Loch, Flugzeugbau: die Segel werden geborgen. Wir haben mindestens an die 50 Wenden gefahren.
Um 19:45 liegt das Boot fest vertäut in seinem Heimathafen.
Was bleibt: Ein schönes Erlebnis, so völlig anders als man es von der Ostsee her kennt. Das Revier, die Segler, die man unterwegs trifft, ihre Schiffe, irgendwie ist alles anders, robuster. Man sollte das wiederholen.

Heinz Krüger

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