2. Karibik-Etappe vom 4. bis 18. Januar 2014

Sonnabend, 4.1.

Abflug von Hamburg pünktlich um 10:55, ebenso pünktliche Ankunft in Paris. An Bord sind neben dem Skipper Norbert Stein als Smut Joachim Zinnecker und Lutz Otte als erfahrener Karibikfuchs. In Paris kommen Anne und Frank Piwecki als Trainees hinzu, die von Hannover gestartet waren. Erster Blick nach der Landung auf die Anzeige für den Weiterflug nach Pointe à Pitre auf Gouadeloupe: „POSTPONED“! Später kommt die Nachricht: Weiterflug erst am nächsten Morgen um 6:10 Uhr. Die Maschine, die uns in die Karibik bringen sollte, saß wegen des dortigen Blizzards in New York fest. Als Trostpflaster spendete uns die Fluggesellschaft ein drittklassiges Abendessen und ein Doppel-, sowie ein Dreibettzimmer im Airport-Hilton. Immerhin haben wir den freien Nachmittag und Abend für einen Besuch des Quartier Latin genutzt.

 

Sonntag, 5.1.

3:30 Aufstehen, 4:00 Transfer zum Terminal, Einchecken und (fast) pünktlicher Abflug, Ankunft nach 9 Stunden Flug in Pointe à Pitre um 10:45 Ortszeit. Während die  Crew auf das Gepäck wartet, habe ich ein kurzes Treffen mit dem Skipper der Vorgänger im Terminalbereich. Jetzt wissen wir genau, wie und wo wir unser Schiff finden können.

Montag, 6.1.

Einrichten an Bord, Kojen- und Rollenverteilung besprochen und festgestellt, dass das Wetter für den ersten „Schritt“ nicht gerade optimal ist, Wind 5 - 6, in Böen 7 Bft. mit Wellenhöhen von 3 bis 5 Metern werden uns präsentiert. Der Blizzard ist auch hier angekommen und bringt für die ganze kommende Woche Wind von mindestens 5 Bft..

Dienstag, 7.1.

Wetter sieht gut aus! Machen eine Sicherheitseinweisung, um 10:30 geht es los. Die Windvorhersage bietet 4 bis 5, wir binden 1 Reff ins Großsegel, lassen die Genua auf ¾ und ab geht die Post nach Süden, rechts neben uns in Lee die imponierenden Berge  (über 1400 Meter) von Basse Terre (welche Ironie der Bezeichnung). Mittags umrunden wir das Südkap und lassen die Genua raus. Um 18:00 finden wir einen Ankerplatz in der Bucht von Malendure, umgeben von hohen grünen Hügeln, mitten im „Maritimen Naturpark Jaques Cousteau“.

Mittwoch, 8.1.

Die Tauchbegeisterten machen mit dem Dinghi einen Besuch der Unterwasserwelt der Isles des Pigeon. Am frühen Nachmittag holen wir den Anker auf und machen uns auf den Weg weiter nach Norden. Unterwegs treffen wir ein Kreuzfahrtschiff der „Star Clipper“ - Serie und umrunden es, um einige Wenden und Halsen zu üben. Schließlich lassen wir den Anker in der Bucht von Deshaies fallen. Der Besuch eines Restaurants endet mit einer spannenden Suche nach unserem Schiff.

Donnerstag, 9.1.

Da die Ausläufer des Blizzards sich immer noch nicht verzogen haben, sehen wir davon ab, über das offene Meer weiter nordwärts nach Antigua zu segeln. Wir machen statt dessen eine Wanderung in den tropischen Regenwald und besuchen (zumindest von außen) einen von der EU geförderten Botanischen Garten. Außerdem besichtigen wir ein Boot der französischen Küstenwache, deren Besatzung wir am Vorabend kennen gelernt hatten.

Freitag, 10.01.

Um 9:00 Uhr geht der Anker hoch. Südkurs ist angesagt, der einzige Hafen auf der Westseite von Guadeloupe ist unser Ziel, Versorgung und fachlicher Austausch über Volvo-Pentas ist angesagt. Um 16:45 sind wir gut fest mit Heck am Steg und Boje am Kopf in der Marina Rivière Sens bei der Hauptstadt Basse-Terre.

Sonnabend, 11.01.

Der Vormittag vergeht mit Warten auf „Mecano Marin“, der sich um unsere Spritpumpe kümmern will. 8:00 Uhr war angekündigt, um 11:23 stand er auf der Matte. Nach umfangreichen Untersuchungen stellt er fest: „Ich verkauf dir gerne eine neue Pumpe, aber die alte geht noch. Irgendwo kommt Luft ins System“. Nach dieser wegweisenden Erkenntnis brauchen wir nur eines: Segeln! Um 13:00 Uhr verlassen wir Basse-Terre und rauschen bei mittleren 5 Windstärken und halbem Wind in 2 ½   Stunden über die offene See nach Bourg des Saintes.

Sonntag, 12.01.

Der Sonntag beginnt mit einer ausgiebigen Erkundung der Funktion des Sanitärsystems der Heide-Witzka. Danach geht es weiter nach Süden. In bekannter Rauschefahrt erreichen wir die Prince Rupert Bay auf Dominica, wo nach 40 Meilen in 3 ½ Stunden genau zum Sonnenuntergang der Anker fällt. Wir lernen Guide Martin kennen, der uns für den nächsten Tag eine Einführung in die Insel verspricht.

Montag, 13.01.

Vormittags müssen wir „einklarieren“ in Portsmouth. Das Outfit der Beamten ist beeindruckend. Aber Freundlichkeit pur.

Danach unternehmen wir eine Fahrt mit Martin in einem Ruderboot den Indian River hinauf. Es geht hinein in den tropischen Regenwald: Lianen, die mich an die Tarzanheftchen meiner Kindheit erinnern, Flusskrebse, die schnell seitwärts ein Versteck suchen, Mangrowen, die dicht das Ufer säumen, dazwischen Kokospalmen, die ihre Früchte vor unseren Füßen fallen lassen (und von Martin ruck-zuck in essbare Portionen zerlegt werden), über allem ein undurchdringliches, grünes Blätterdach.

Am Nachmittag dann mit Stanley eine Tour im Minibus durch den Norden von Dominica, zur Atlantikseite, zu vulkanischen Ufern, zu Ausblicken auf wilde Korallenriffe, über Straßen, die bei uns für unpassierbar erklärt würden, mit Steigungen, die nur im 1. Gang zu bewältigen waren … Diese Insel ist ein Traum!

Dienstag, 14.01.

Dominica lässt uns nicht los! Wir verlassen die Prince Rupert Bay und wenden uns weiter nach Süden. Um 13:15 haben wir die Hauptstadt Roseau erreicht und machen an einer Boje fest. Die AIDA Luna ist auch schon da. Wir lernen Guide Markus kennen, der uns den Taxifahrer Bobby Brown vermittelt. Mit ihm erkunden wir den Süden der Insel, besichtigen die Grotte, in die sich Jonny Depp im Fluch der Karibik gestürzt hat, baden in warmem, schwefelhaltigem Wasser, das sich in den Trafalgar Falls aus heißen  vulkanischen Quellen ergießt, genießen Ausblicke auf die Insel und das Meer. Dominica, du Schöne!

Mittwoch, 15.01.

Allmählich müssen wir an die Rückkehr denken. Nach Versorgung in Roseau verlassen wir unsere Mooring-Boje um 14:00 Uhr wenden uns wieder nach Norden. Zum ersten Mal haben wir Winde um 3 bis 4, nur in Böen 5. Eine Schule Delphine umkreist das Schiff, ein einsamer fliegender Fisch klatscht hinter uns in die See. Das grüne Paradies Dominica gleitet an der Steuerbordseite vorbei. Pünktlich zum Sonnenuntergang um 18:00 Uhr finden wir einen Ankerplatz in der Prince Rupert Bay. Die letzte Nacht bei unserer neuen Liebe Dominica bricht an.

Donnerstag, 16.01.

Wir füllen unsere Wassertanks auf. Dabei lernen wir ein neues Geschäftsmodell kennen. Man nehme einen langen Wasserschlauch, schließe ihn an Land an die Wasserversorgung an, versehe das andere Ende mit einem Wasserhahn und befestige diesen an einer Ankerboje, an der „wassersuchende“ Schiffe vorübergehend festmachen können und verkaufe das Wasser zu einem guten Pauschalpreis. Dann melden wir uns bei der Grenzbehörde ab und verlassen Dominica. In einer Rauschefahrt über den offenen Atlantik legen wir die zwanzig Meilen zur nächsten Insel – Marie Galante – zurück. Dort werfen wir um 14:45 den Anker in der Bucht vor Saint-Louis, dem verträumtesten Städtchen unserer Reise. Immerhin finden wir dort im Restaurant „La Baleine Rouge“ (der Rote Wal) einen Internetanschluss. Am Horizont können wir neben der untergehenden Sonne bereits Gouadeloupe sehen.

Freitag, 17.01.

Um 10:30 geht es dann schweren Herzens in Richtung Zielhafen. Noch einmal 4 Stunden Atlantik, dann der letzte Zwischen-Stopp. Ein Ankerplatz hinter der winzigen Insel „Ilet du Gosier“, beiderseits durch je ein Korallen-Riff von der Küste und dem Meer getrennt, bietet uns Schutz für die letzte Nacht. Ein letztes Bad am Mini-Strand, ein letzter Punsch an der Insel-Bar – in der Nacht bringt der erste kräftige Regen ein bisschen (durchaus erwünschte) Abkühlung und lässt uns den bevorstehenden Abschied etwas leichter fallen.

Sonnabend, 18.01.

Die letzten 3 Meilen zum Hafen Pointe à Pitre lassen wir uns von der Genua ziehen. Dann folgt Tanken, Packen, sauber Machen. Mittags schauen unsere Nachfolger vorbei. Durch ein gemeinsames Reste-Essen an Bord gestaltet sich die Schiffsübergabe entspannt. Die Hinweise unseres Smut Joachim werden gern für die anstehende Proviantbeschaffung genutzt. Schließlich transportieren wir unser Gepäck auf dem Einkaufswagen zum Taxi, das uns zum Flughafen bringt. Die zweite Hälfte der Nachfolge-Crew kommt pünktlich mit dem Airbus, der mit uns Richtung Heimat fliegt.

Sonntag, 19.01.

Pünktlich um 17:00 Uhr sind wir in Fuhlsbüttel. Eine Traumreise ist zu Ende. Dank der SKB, die uns diese Reise ermöglicht hat und Dank an meine Crew, die diese Reise für mich zu einem unvergesslich positiven Erlebnis gemacht hat.

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