Die HEIDE-WITZKA ist im Mittelmeer

Das Schiff schwimmt das erste Mal in seinem Leben im Mittelmeer, es hat den Transport ohne jeden Schaden überstanden und ist  voll funktionsfähig.  Die erste Crew  genießt bereits das Hafenleben in Nizza und lässt schön grüßen.

Soweit der positive Teil der Nachricht. Doch es lief, wie immer bei solchen Aktionen, nicht ganz so einfach ab, wie wir uns das gedacht haben.

 

Dienstag, 27.08.2013, 15:00 Uhr:

Die "Aufrigg-Mannschaft" unter Leitung vom Bootsmann (Jonny) ist auf dem Weg nach Antibes. Das Auto wurde einem ultimativen „Belastungs-Gepäck-Kapazitätstest“ unterzogen. Aber alles passte rein und los ging´s Richtung Süden. Dank ausreichender Pferdestärken unter der Motorhaube geht es zügig bis zum ersten Zwischenstopp  kurz vor Freiburg im Breisgau. Die Stimmung ist perfekt, die ersten Pläne und Planungen werden vorgenommen,  Jonny erklärt zum wiederholten Mal, dass das alles nicht so einfach ist und wir das wohl alles nicht schaffen werden.  Beruhigendes Einreden durch den Rest der Crew führen nicht zur Beruhigung des Bootsmannes.

Mittwoch, 28.07.2013, 06:00 Uhr:

Der Bootsmann ist unruhig  und verlässt das kurzfristig gebuchte „Familienzimmer“  (4-Personen-Komfortzimmer) als zweiter, nachdem ich als bekennender Frühaufsteher auf leisen Sohlen zum Kaffee nach unten geschlichen war.

Mittwoch, 28.08.2013, 07:00 Uhr:

Claus kommt mit einer Hiobsbotschaft. Akute Erkrankung, Symptome eindeutig. Nach kurzer Crewbesprechung  die klare (und im Nachhinein kluge)Entscheidung: „Keine Experimente!“  Kurz das Navigationssystem bemüht  und los ging´s Richtung Freiburg-Hauptbahnhof.

Mittwoch, 28.08.2013, 09:00 Uhr:

Gudrun und Claus am Bahnhof in Freiburg abgesetzt, alle finden die Gesamtsituation mehr als suboptimal, aber was nützt das. Kurze Verabschiedung um die Emotionen flach zu halten und weiter geht’s in Richtung Frankreich.

Anmerkung:  Im Nachhinein betrachtet haben wir die vernünftigste Entscheidung  getroffen, die unter diesen Umständen zu treffen war. Erfreulicherweise wurde Claus bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Gute Besserung an dieser Stelle.

Mittwoch, 28.08.2013, 12:00 Uhr:

Da waren es nur noch zwei, die der HEIDE-WITZKA auf ihrem ungewöhnlichen Landweg nach Antibes folgten. Immer mit einem Gedanken an den erkrankten Claus im Hinterkopf fuhren wir also Richtung Süden. Während ich dem Umfang der anstehenden Arbeiten relativ entspannt und gelassen entgegensah, wurde Jonny immer unruhiger. Heute weiß ich auch, warum. Am Mittwoch, gegen 12:00 Uhr, ging dann der Anruf von Anja ein "Die HEIDE-WITZKA ist bereits unbeschadet in Antibes angekommen und wartet auf Euch".  Oh, das ging aber schneller als gedacht. Eigentlich war ja das Eintreffen erst für Mittwochabend oder Donnerstagmorgen geplant.  Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch ca. 5 Stunden Fahrzeit vor uns,  waren aber aufgrund dieses Anrufes noch motivierter, möglichst schnell nach Antibes zu kommen.

Mittwoch, 28.08.2013,16:30 Uhr, Antibes:
Typisch südfranzösische Stadt, das normale Verkehrschaos etwas intensiviert durch eine komplett aufgerissene Innenstadt mit dem Versuch, infrastrukturelle Verbesserungen durch die Herbeiführung eines totalen Chaos einzuführen. Das bordeigene Navigationssystem erwies sich als überfordert, wir schalteten auf  manuelle Navigation um, indem Jonny nach einem Kran Ausschau hielt, der in der Nähe des Wassers steht.  Nachdem wir das live erleben durften, verstehen wir auch, was der Fahrer des LKW, der die „HEIDE-WITZKA“ transportierte, meinte, als er sagte, das ist ziemlich eng dort unten in Antibes.

Mittwoch, 28.08.2013, 16:45 Uhr:

Wir biegen um die letzte Ecke,  „Port Service Vauban“  ist erreicht. Da steht die HEIDE-WITZKA und wartet darauf, endlich in das Mittelmeer gehievt zu werden. Freudige Begrüßung zwischen Fahrpersonal, reduzierter Aufbau-Crew und dem Schiff, und die Gelegenheit sich umzusehen.
Wie soll man das beschreiben? Es gibt eigentlich nur eine Beschreibung. Es sieht so aus, wie eine südfranzösische Werft aussehen muss. Es liegt immer im Auge des Betrachters, ich als ausgewiesener Ordnungsfanatiker (weil ich sonst mit meinen Computerprogrammen völlig verloren bin) empfinde es als reines Chaos. Der Bootsmann fühlt sich wie zuhause und ist glücklich.

Mittwoch, 28.08.2013, 17:30 Uhr:

Der Bootsmann erklärt dem Werftbetreiber, wie er das Schiff ins Wasser haben will und was der Kranfahrer machen soll. Das Problem ist, dass der Bootsmann das auf Deutsch erklärt und der Werftbetreiber das auf Französisch nicht versteht. Nach einem vergeblichen Versuch beide Standpunkte durch entsprechende Übersetzung auf ein gleiches Niveau zu bringen wird die Diskussion dadurch beendet, dass ich vom Werftbetreiber beauftragt werde, den Bootsmann so lange zu beschäftigen, bis er, der Werftbetreiber, das Schiff im Wasser hat.

Mittwoch, 28.08.2013, 17:45 Uhr:

Die HEIDE-WITZKA ist im Wasser, alles Ventile sind dicht, es ist vollbracht. Bootsmann, Kranfahrer und Übersetzer entspannen sich, alles ist gut. Die erste Inspektion des Schiffes ergibt: Bis auf die Abdeckung des Backbord-Positionslichtes im Bug ist alles unbeschädigt. Dank an den Fahrer Hannes, seinen Begleiter und die Firma SLEEPY für diesen schnellen und professionellen Transport.

Mittwoch, 28.08.2013, 19:00 Uhr:

Während ich den Wunsch verspüre, bei 30 Grad im Schatten (den es nicht gibt) ein Kaltgetränk zu mir zu nehmen und erst mal die Situation wirken zu lassen, erklärt der Bootsmann, dass wir das alles nicht schaffen und macht sich daran, den Mast vorzubereiten. Der sollte nämlich, so die Absprachen, am Donnerstagmorgen gestellt werden.

Diese Aktivität brachte nun wieder den Werftbetreiber auf den Plan. Der sah das nämlich als seine Aufgabe an und fühlte sich in seinen Kompetenzen eingeschränkt. Auch die Argumentation des Bootsmannes, dass so ein südfranzösischer Werftbetreiber nie und nimmer mit einem von ihm, dem Bootsmann, speziell hergerichteten Mast zurechtkommen würde, führte nicht zu einer Annäherung der Standpunkte.

Aber diesmal verlor der Werftbesitzer. Nicht weil die Argumente des Bootsmanns die besseren waren, aber der Werftbesitzer hatte Feierabend. Und da bekannter Weise die Begriffe  „Überstunden“ und „südfranzösischer Werftbetreiber“ syntaktisch nicht in Einklang zu bringen sind, ging dieser, der Werftbesitzer, leise französisch fluchend nach Hause und der Bootsmann an die Vorbereitung des Mastes. Und nix war es mit meinem Bier in der Sonne auf dem Schiff.

Nachdem die Sonne ein Einsehen hatte und sich dem Horizont näherte war der Mast fertig und brauchte nur noch auf das Schiff gekrant werden. Gelegenheit sich kurz an Bord niederzulassen und Ruhe einkehren zu lassen.

Mittwoch, 28.08.2013, 22:00 Uhr:

Kurzer Besuch eines typisch französischen Supermarktes, da wir nichts zu essen und zu trinken hatten. Typisch heißt: Völlig unstrukturiertes Angebot, es ist fast alles zu kaufen, was man nicht braucht, wenn man es findet. Das, was man braucht, findet man nicht oder es ist nicht da.

OK, wir beschränken uns auf das nötigste, Brot, Käse, Eier und Wein. Die Grundnahrungsmittel eben.

Da die ganze Sache ja eigentlich völlig anders laufen sollte, waren im Vorfeld bereits zwei Doppelzimmer für die originären 4 Crew Mitglieder in einem einfachen Hotel gebucht. Die HEIDE-WITZKA sollte ja eigentlich erst am Donnerstagmorgen eintreffen. Nachdem wir nach einer etwas chaotischen Suche aufgrund eines erneut überforderten Navigationssystems ohne die Möglichkeit der manuellen Navigation im Hotel ankamen, stellten wir folgendes fest:

  • Einfaches Hotel ist in Frankreich ein sehr relativer Begriff
  • Doppelzimmer heißt nicht zwangsläufig,  dass genügend Platz in diesem Zimmer ist, dass sich zwei Personen zeitgleich darin aufhalten können
  • Eigene Dusche und WC heißt nicht zwangsläufig, dass diese auch funktionieren
  • Essen und Trinken ist in einem einfachen französischen Hotel nicht üblich
  • Zentral heißt oft, dass sich das Hotel unmittelbar neben der Autobahn befindet, was subjektiv das Gefühl hervorruft, dass diese unmittelbar durch das Zimmer verläuft. Zumindest lärmtechnisch.

Letztlich war es uns egal, was die Leute von zwei durchschwitzten, dreckigen Deutschen hielten, die mit Wein, Käse und Baguette bewaffnet auf der Terrasse saßen und zu Abend aßen. Das Schiff war in Antibes und im Wasser, der Mast vorbereitet und wir guten Mutes, dass wir am nächsten Morgen aufgrund unserer manuellen Navigation den Hafen auch wiederfinden würden.  Wobei der Bootsmann immer noch der Meinung war, dass wir das alles nicht schaffen würden.

Donnerstag, 29.08.2013, 06:30 Uhr:

Aufwachen brauchte ich nicht. Das hätte vorausgesetzt, dass ich auch geschlafen hätte. Da dies nicht der Fall war, tat ich mich mit dem Aufstehen auch nicht schwer.

OK, wenigstens was zu Frühstücken gab es. Auch wenn der Kaffee eine Konsistenz hatte, die hierzulande als Tee verkauft wird. Wie habe ich mich an diesem Morgen nach einem guten Kaffee an Bord der „HEIDE-WITZKA“ gesehnt.

Der Bootsmann erschien kurz nach mir, Aussehen und Redseligkeit gaben Kenntnis davon, dass seine Nacht ähnlich wie die meine verlaufen war. Einziger Kommentar: “Das schaffen wir niemals bis morgen Abend“! Ich war zu kaputt, um noch irgendwas dagegen zu sagen.

Donnerstag, 29.08.2013, 08:00 Uhr:

Wir kommen zur Werft. Es ist müßig zu erwähnen, dass offensichtlich in der Nacht neue Baumaßnahmen dazu geführt haben, dass das Navigationssystem erneut überfordert ist.

Auf der Werft herrscht so etwas wie Hektik. Der Kran der benachbarten Firma fuhr mehrfach im Abstand von Zentimetern an dem liegenden Mastes vorbei, was den Blutdruck des Bootsmanns nicht gut tat.

Erneut die Deutsch-Französische Konversation zwischen Bootsmann und Werftbetreiber. Diesmal gewann der Werftbetreiber, der den Bootsmann seines Schiffes verwies, diesmal mit dem Hinweis  auf undefinierte Versicherungsbestimmungen in Frankreich. Ein ziemlich einmaliger Vorgang, wie man sich vorstellen kann. Aber, das muss man zugeben, der Werftbetreiber und sein Hilfsarbeiter (eine sonderbare Spezies Mensch, die mir bis dahin nicht bekannt gewesen ist) wussten, was sie taten und nutzten den kurzen Moment der Sprachlosigkeit des Bootsmannes, als dieser des eigenen Schiffes verwiesen wurde, um den Mast zu stellen. Kurz Ober- und Unterwanten belegt, und weg war der Kran und die HEIDE-WITZKA sah schon wieder aus wie ein Segelschiff.

Ich muss einräumen, dass dies ganz sicher die schwierigste Übersetzungsmaßnahme vom Deutschen ins Französische in meinem ganzen bisherigen Leben war.

Kommentar des Bootmannes, als sich sein Blutdruck wieder in einem Bereich von unter einhundert befand: „Das schaffen wir nie bis morgen Abend!“

Donnerstag, 29.08.2013, 12:00 Uhr:

30 Grad, kein bisschen Schatten. Ich muss zugeben, dass auch ich langsam Angst bekam, ob wir das alles bis Freitagabend schaffen würden.  Nur sehr langsam leerte sich der Bauch des Schiffes, immer mehr bekam ich einen Eindruck davon, was alles montiert, angebaut, eingerichtet, überprüft und wie immer improvisiert werden musste.

Und selbstverständlich geht alles schief, was schief gehen kann. Die Lazy-Jacks haben sich beim Maststellen um die Wanten gewickelt, wie kommen wir da hoch, immerhin mehr als 4 Meter auf einem schwankenden Schiff, das Ankerlicht und die „Dreifaltigkeit“ verweigern beharrlich ihren Dienst, das Segelkleid ist verkehrt herum, es fehlt eine Segellatte, die Mastrutscher verklemmen sich, die Genua springt beim Hochziehen aus der Führung,  es fällt eine Schraube ins Wasser und so weiter und so weiter….

Wir trinken Unmengen von Wasser, die Latzhose wirft seltsame Streifen auf dem Rücken des Bootsmanns (oder ist das ein Sonnenbrand) und der Handlager (ich) bekommt langsam eine Vorstellung von dem, was im Vorfeld alles bedacht werden musste und auch in den allermeisten Fällen auch bedacht worden ist.

Donnerstag, 29.08.2013, 20:00 Uhr:

Schluss! Es geht nix mehr. Außer dem Frühstück haben wir seit morgens nichts gegessen, nur Unmengen von  Wasser getrunken.  Der Himmel zieht sich zu, ein unglaubliches Schauspiel mit einem faszinierenden Abendrot. Der Bootsmann hat Krämpfe in den Händen, will Tabletten dagegen nehmen und stellt fest, dass diese noch im Hotel liegen. Quasi mit letzter Kraft zurück ins Hotel, aus dem wir am Morgen ausgecheckt haben, dort sind sie angeblich nicht aufgetaucht. Bei der Gelegenheit gleich erfolglos nach einem Segelmacher gesucht, um eine Segellatte zu kaufen.

Donnerstag, 29.08.2013, 22:00 Uhr:

Wir sitzen an Bord, die Tabletten sind wieder aufgetaucht, aber an erneute Aufnahme der Arbeit ist aus konditionellen Gründen nicht zu denken. Die Krämpfe in den Händen des Bootsmannes sind weg, dafür habe ich Wadenkrämpfe durch das ständige herumbalancieren auf dem schwankenden Boot. Oder haben wir doch nicht genug Flüssigkeit zu uns genommen?

Ok, auch wenn es weh tut, das geht so nicht. Also setzen wir uns ins Cockpit, die Sonne ist weg, es ist windstill, auf den Megayachten gegenüber gehen die Lichter an und wir machen uns daran, den Flüssigkeitsverlust des Tages auszugleichen. Aus rein gesundheitlichen Gründen, versteht sich.

Endlich auf dem Schiff, das nun schon aussieht wie ein Schiff. Was spielt es für eine Rolle, dass es auf der Werft keine Sanitäreinrichtungen gibt, die funktionierten im Hotel auch nicht wirklich. Und obwohl wir völlig fertig sind, sind wir doch ein bisschen stolz auf das, was wir bisher geschafft haben.

Das letzte, was ich an diesem Abend zum Bootsmann sagte war: „Ich glaube nicht, dass wir das alles bis morgen Abend schaffen!“

Freitag, 30.08.2013, 08:00 Uhr:

Die Sonne verhindert ein weiteres Verweilen im Schiffsinneren.  Jede Bewegung sorgt für Schweißausbrüche, und es ist immer noch unendlich viel zu tun.

Ich bekomme einen Eindruck davon, wie Lebenswichtig das Bimini für so einen Törn ist. Bevor das endmontiert werden kann, müssen erst aber die Solarplatten montiert werden. Dann die elektrische Verkabelung der Solaranlage, die Antenne für den zweiten Wetterschreiber muss montiert werden und die Kabel durch das Schiffsinnere gezogen werden. Eine mörderische Aufgabe bei den Wetterbedingungen.

Aber: So langsam kommt das Ende der Aufgabenliste in Sicht. Zum ersten Mal macht sich gegen Mittag so etwas wie Optimismus breit. Wir hatten am Donnerstag schon damit gerechnet, noch einen Montagetag dranzuhängen und die Planung, die sowieso völlig aus den Fugen geraten war, um einen Tag zu verlängern. Aber gegen Mittag wurden wir, wie gesagt, doch optimistischer.

Freitag, 30.08.2013, 12.00 Uhr

Ich mache mich auf den Weg, um die erste Crew um Dr. Rudi aus Nizza abzuholen. Der Bootsmann schwitzt unter Deck und bastelt an der Verkabelung des Ankerlichtes und flucht leise  vor sich hin. Ich halte das leise Fluchen für ein gutes Zeichen.

Freitag, 30.08.2013, 15.00 Uhr

Die erste Crew kommt an Bord. Ich hoffe, unser Aussehen und unser Geruch war kein allzu großer Schock für die Männer. Aber für Körperpflege hatten wir nun weder Zeit und Gelegenheit. Während der Bootsmann mit Dr. Rudi die letzten technischen Kleinigkeiten in Angriff nimmt, fahre ich mit Jochen und Holger in den schon beschriebenen Supermarkt, damit die Männer für die kommende Woche einkaufen können. Sie waren etwas verwundert, als ich sagte, dass ich nicht mit rein kommen würde und draußen auf sie warten würde.  Nach zwei Stunden erschienen zwei völlig entnervte Segler wieder bei mir und erklärten, jetzt wüssten sie, warum ich draußen bleiben wollte und hatten dafür völliges Verständnis.

Auf dem Rückweg ein weiterer erfolgloser Versuch, eine Segellatte aufzutreiben, dann ging´s zurück zum Schiff.

Freitag, 30.08.2013, 17:30 Uhr

Wir sind beim Schiff, der Bootsmann hat die restlichen Dinge erledigt und ist ebenso erledigt. Schnell die Einkäufe per Menschenkette an Bord verfrachtet und dann das erste Bier aufgemacht. Plötzlich eine deutsche Stimme vom Kai:“ Moin, was treibt Ihr denn hier?“

Zwei Männer aus Neumünster von der Firma GLOGAU Bootstransporte wollten eine 47 Fuß Motoryacht aufladen und nach Norwegen schaffen. Ein faszinierender Anblick grundsätzlich, doof war nur, dass die Yacht unmittelbar neben unserem Schiff auf dem Trockenen lag. Das heißt, die HEIDE-WITZKA musste für den Kranvorgang verholen, und zwar raus aus dem Werfthafen.  Also nix mit Entspannung.

Aber auch das war 90 Minuten später Geschichte, der Kran wurde abgestellt, unser Schiff lag wieder fest vertäut  und es kehrte Ruhe ein.

Freitag, 30.08.2013, 21:00 Uhr

Es ist vollbracht. Mit quasi letzter Kraft schaltet der Bootsmann das Ankerlicht und dann die „Dreifaltigkeit“ an der Mastspitze ein. Und…..alles funktioniert. Wir haben es tatsächlich geschafft. Der Bootsmann hat es nie geglaubt, ich habe immer mehr gezweifelt, aber es hat geklappt. Die HEIDE-WITZKA ist für den großen Törn startklar.

Quasi als letzten Akt befestigt Jonny bevor wir schlafen gehen, noch eine Segellatte mit dem unvermeidlichen „Backeband“ im Großbaum, weil wir woanders keinen Platz für das fast 4 Meter lange Teil gefunden haben.  Und dann ist das Schiff endgültig fertig. Und wir auch.

Samstag, 31.08.2013, 07:30 Uhr

Jonny und ich schleichen uns so leise wie möglich von Bord, um die anderen nicht zu wecken. Wir wollen so früh wie möglich starten, um möglichst bald zu Hause zu sein.

Über Nizza, Monaco, Genua, den Lago Maggiore, Lichtenstein, Österreich und dann einmal in der Längsrichtung von Süd nach Nord durch Deutschland kommen wir gegen 22.00 Uhr am Samstagabend völlig groggy, aber ziemlich zufrieden in der Heimat an.

Das Schiff ist in einem exzellenten Zustand und alle Vorbereitungen sind getroffen, damit alle Besatzungen Spaß haben und vor allem Heile und gesund nach Hause kommen. Die einzige Sorge, die uns während der Rückfahrt beschäftigte, ist die Frage, ob Dr. Rudi mit seiner bekannten Affinität zu Atomkraftwerken und sein Mitsegler Jochen, immerhin der ehemalige Chefingenieur der OTTO HAHN, nicht doch in dieser Woche irgendwo einen kleinen Nuklearantrieb in das Schiff einbauen.  Grundlegende Diskussionen wurden am Freitagabend zu fortgeschrittener Stunde schon mal an Bord geführt.

Nachbemerkung:

Dem Autor dieses ersten Logbucheintrages sei es gewährt, eine persönliche Anmerkung hinzuzufügen. Ich möchte an dieser Stelle unserem Bootsmann meinen ganz persönlichen Dank und meine Anerkennung aussprechen. Wir haben uns während dieser Aktion gestritten, wir haben uns angeschrien und nichts anderes haben wir beide erwartet. Aber wir haben uns auch wieder vertragen und haben was geschafft. Ich habe erst jetzt wirklich begriffen, welchen Anteil Jonny an diesem doch außergewöhnlichen Jubiläumstörn hat und behaupte, dass das so ohne ihn sicherlich nicht zu realisieren gewesen wäre. Danke dafür.

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