Schweden 2003

SKB-Törn 5. - 12.7.2003
Skipper: Stefan Bönsch, Crew: Rudi Katthagen, Jens Wichmann, Dietmar Helle

Unser Törn zu viert vom 5.-12. Juli begann am Samstag früh um fünfe in Buchholz bei schönstem Sommerwetter. Selbst die Anreise nach Skagen war auf der E45 vollkommen streß- und störungsfrei.
Gegen 11 Uhr in Skagen war es schon bullig warm. Ich übernahm die Heide-Witzka von Heinz Krüger und seiner vierköpfigen Crew, die nach zwei Wochen Skagerrak und Norwegen ("...nicht zu toppen") etwas traurig Abschied nahmen.

Wegen des schönen (fast windstillen) Wetters, entschlossen wir uns, den Rest des Tages in dem munteren Hafenstädtchen zu bleiben und die Spitze Jütlands zu erkunden. Fahrräder wurden gemietet und die berühmten, sich kreuzenden Wellenzüge von Nordsee und Ostsee an Skagens Odde besichtigt.
Am Abend lockte uns ein Popkonzert einer dänischen Gruppe unweit unseres Liegeplatzes an. Mit ihren - ausschließlich dänischen - Songs, die von den einheimischen Zuhörern mitgesungen und ge-tanzt wurden, verbreiteten sie eine Riesenstimmung. Rudi, davon angesteckt, verschwand einen Mo-ment in der Bar und tauchte schließlich aus dem Gewühl wieder auf mit einer Flasche Rotwein und vier Gläsern....
Naja...also der Abend zog sich dann noch entsprechend lange hin.

Am Sonntagmorgen legten wir ab mit Ziel Marstrand auf der schwedischen Seite. Mit dem leichten SW-Wind konnten wir sogar zeitweilig segeln.
Die Marina Marstrand liegt auf einer kleinen Insel, die mit dem Städtchen Marstrand nur durch eine Fähre verbunden ist. Deshalb geht's dort auch ziemlich ruhig zu.

Wir beschlossen, am folgenden Tag durch die Schären südwärts zu gehen, um dann morgen mit einem Tagesschlag Læsø erreichen zu können. Die im oberen Ende ziemlich enge Schärendurchfahrt erforderte - trotz der Stangenmarkierungen - wie üblich ziemliche Aufmerksamkeit der gesamten Crew. Etwas neidisch bewunderten wir andere (meist einheimische) Schiffe, die kühn segelten, wo wir aus Vorsicht nur mit Maschine und ständigem Blick auf das abwechslungsreiche Fishfinder (FF)-Programm ;-) fuhren. Erst am Nachmittag entschlossen wir uns, die Insel Vrångö anzulaufen. Die Ansteuerung geriet zur Zitterpartie, weil sich lt. Hafenhandbuch in der engen Fahrrinne eine nicht (!) gekennzeichnete 0.9m - Untiefe befand. Angekommen enpuppte sich die Insel als weltabgeschiedenes Fleckchen mit einigen schmucken Häuschen und keinerlei Yachtbetrieb, geschweige denn Versorgungseinrichtungen - von einem kleinen Toilettenhäuschen mal abgesehen. Ein prima Plätzchen für Einsiedler-Naturen.

Tja, für den Dienstag hatten wir uns Læsø vorgenommen - leider hatte der bisher vorherrschende SW-Wind nicht gedreht, sodaß wir uns mehr oder weniger durch Kreuzschläge und schließlich durch moto-ren an unser Ziel heranpirschen mussten. Auch hier war wegen der weitläufigen Flachs, die die gesamte Insel umgeben, wieder die FF-Show angesagt. Østerby Havn erwies sich als knallvoll - Achterpäckchen überall. Richtig Freude kommt dabei auf, wenn dann abends angekündigt wird, daß der Steglieger am nächsten Morgen um sieben raus will. Trozdem - Læsø ist eine wunderschöne Insel.

Das sommerliche Wetter nahm kein Ende - und so genehmigten wir uns einen Hafentag, mieteten Fahrräder und radelten zum Baden in die hohen, über und über mit Riedgras und Strandhafer bewachsenen Dünen am Danzigmand. Von Sommertouristen weit und breit nichts zu sehen. Mit zwei dicken Tüten Pfifferlingen abends zurück an Bord, gab es noch ein leckeres Abendessen.

Vorletzte Etappe sollte Anholt sein (O-Ton vom Päckchennachbarn: "... auf Anholt ist es noch voller..."). Auf am-Wind-Kursen waren die ca. 45 sm gut zu bewältigen. Auch die Ansteuerung von Anholt erfordert wegen der weit hinaus reichenden Flachgebiete die genaue Einhaltung des Weiß-Sektors des Molenkopffeuers.
Anholt WAR voll. Wir versuchten erst gar nicht, einen Platz zu finden, sondern machten gleich an einem noch nicht so fetten Päckchen an der Molen-Innenseite fest. Prompt kam der freundliche Ha-fenmeister per Schlauchboot angedüst, zeigte auf die an der gegenüberliegenden Molenseite festge-machte Anholt-Fähre und teilte uns mit, daß diese morgen früh um sieben auslaufen werde (wir lagen natürlich voll im Wendekreis).
Egal - erstmal Anholt genießen!!! Aufstieg zum wacholderbewachsenen Radarturmplateau - toller Inselrundblick, Abstieg durch die dichte Heide zum Strand. Da hörte man von ferne schon Strandmu-sik mit tiefen Bässen. Ghettoblaster?? Weit gefehlt!! Eine 4-Mann-Band spielte - ganz ohne Publikum - am Strand feinsten Jazz (E-Gitarre, E-Baß, Saxophon und Drums) - aber wo kam der Saft für die Ver-stärker her??? Aus einer maroden Windkraftanlage, ein paar Meter entfernt, lief ein gut getarntes Ka-bel durch das Strandgras - aha!! Wir ließen uns nieder, ein paar andere folgten - und bald sah's aus wie weiland '68 in Woodstock beim Open-air.

Das dicke Ende kam am nächsten Tag - Freitag: Wind aus WSW, 6+ Bft., genau aus der Richtung, wo wir hinwollten, Himmel grau, Wellenhöhe ca. 1m - zunehmend. Naja, kein Törn ohne Tag mit Ölzeug, Reffs in Groß und Genua.
Die verabredete Übergabe an den Jugendtörn in Grenå konnten wir uns abschminken. Tja, was gäb's denn sonst noch? Bønnerup - etwas weiter nördlich. Jonny (Jugentörn-Skipper) war gleich einverstan-den.
Erst versuchten wir lange Kreuzschläge, die Zeit verging, vorwärts kamen wir fast nicht, unser Dietmar war seekrank und grau im Gesicht, im Schiff klöterte immer irgendwas herum - irgendwie machte es so keinen Spaß. Also alle Plünnen runter, Maschine an und Direktkurs. Gegen 16 Uhr machten wir in
Bønnerup fest. Was gibt's über Bønnerup zu berichten???? Nichts........

Am Samstagmorgen: strahlender Sonnenschein, warm, immer noch stark auflandiger Wind 5. Jetzt wären wir gerne noch weitergesegelt. Aber da kamen sie schon alle den Steg herunter gelaufen: Kati, Jonny, Ivo, Malte usw. usw.

Stefan Bönsch

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