SY "Heide-Witzka"

bavaria 40

Yachttest der Bavaria 40 -

Gewohnte Qualität mit verbessertem Layout

Die Yacht testet die Bavaria 40

Das Konzept der Bavaria 40

Bavaria setzt seine Preis- und Modellpolitik in gnadenloser Konsequenz weiter fort: Ein neuer Bootstyp löst einen etwas kleineren ab, ist aber kaum teurer. So zahlt denn der Kunde für die nagelneue 40-Fuß-Yacht in der Achtercockpit-Version nur 8500 Mark mehr als für die auslaufende 38er, die seit Oktober 1996 486-mal gebaut wurde. Den Mehrpreis ist das neue Schiff allemal wert. Denn auf nüchterne Maße reduziert, erhält der Käufer einen Zuwachs von etwa einem Fuß in Rumpf- und Wasserlinienlänge sowie 14 Zentimetern in der Breite. Das ergibt deutlich mehr Volumen unter Deck, das vor allem in mehr Bewegungsraum umgesetzt wurde. Aber auch das Cockpit fiel etwas großzügiger aus.

Erfolg der Bavaria 40

Gigantisch: Das neue Schiff wurde schon zu einem Zeitpunkt 300-mal geordert, als noch nicht einmal der Prototyp zu sehen war. Das kommt für die fränkische Werft weder überraschend, noch ist es ein Problem: Dank der neuen Laminierstraße und dem Einsatz von zwei Formen gleichzeitig sind maximal sieben Monate Lieferfrist geplant. Der frühe Erfolg verwundert nicht: Die 40er ist mit einem unschlagbaren Grundpreis auf dem Markt. Unter 228 000 Mark leidet die direkte Konkurrenz wie Dehler 39, Grand Soleil 40 und Sun Odyssey 40 oder die Océanis 393, die erst zur nächsten Saison zum Verkauf steht. Sogar das Yachtzentrum Greifswald, an sich berüchtigt für „Hammer“-Preise, wird mit seiner Hanse 401 deutlich unterboten.


Layout der Bavaria 40

Mit dem Preis enden aber schon die Überraschungen, obwohl die Hauskonstrukteure J&J Design dem neuen Rumpf ein etwas schlankeres Unterwasserschiff verpasst haben, das besseren Speed und weicheres Einsetzen in die Welle bringen soll. In der neuen Form entsteht sowohl die Achtercockpit- Version als auch die Mittelcockpit- Schwester mit dem Namenszusatz Ocean. Die Ocean wird damit zum neuen Einstiegsmodell für die Mittelcockpit- Reihe. Sie löst dort ebenfalls die 38er ab (siehe Seite 58). Der Käufer kann beim Achterkammer- Schiff zwischen zwei oder drei Kabinen als Einrichtungsversion wählen. Beide verfügen über zwei Nasszellen, die achtere ist jeweils mit einer Duschmöglichkeit ausgerüstet. Beschränkt man sich auf zwei Kabinen, erhält man im Salon zwei Einzelsessel an Backbord, eine U-förmige Pantry (mit mehr Arbeitsfläche) statt gerader Zeile, deutlich mehr Raum in der achteren Nasszelle, eine breitere Koje achtern und gewinnt außerdem eine respektable Backskiste.

Konstruktion der Bavaria 40

Die Bauweise entspricht dem gewohnten Bavaria-Standard unter Kontrolle nach Lloyd’s Register mit der bei allen neueren Typen üblichen Verteilung von Sandwich-Laminat bis zur Wasserlinie sowie dem Einsatz von schlagzähen Kevlargelegen im Vorschiffsbereich. Innen beherrschen wie gewohnt seidenmatt lackiertes Sapelli- Sperrholz und solide Umleimer, teils als Griffleisten ausgelegt, die Optik. Alle Einbauten und Installationen erfolgen vor Aufsetzen des Decks und seiner Verbindung mit der Rumpfschale.

Die Einhaltung der Europäischen Sportbootrichtlinie überwacht Lloyd’s Register Quality Assurance GmbH (LRQA), eine Tochter von Lloyd’s Register of Shipping in London, der ältesten Klassifizierungsgesellschaft der Welt. Bavaria Yachtbau arbeitet seit 1998 mit LRQA zusammen. Das gilt übrigens ebenfalls für die in Heft 18/2000 getesteten Typen Bavaria 47 und die 47 Ocean.

Segel- und Manövriereigenschaften der Bavaria 40

Selbst gerefft ordentliche Werte! Die üblichen Stopp- und Wendemanöver absolviert das Schiff anstandslos. Unter Volllast erreicht es durch die 29 PS des Volvo MD 2030 bei 3000 Umdrehungen/ min gerade die Rumpfgeschwindigkeit. Bei 2400 Umdrehungen läuft es noch 6,5 Knoten. Das reicht für normale Bedingungen. Wer allerdings schon mal bei Wind und Welle gegenan dampfen möchte, wird mit den knapp 3,5 PS pro Tonne nicht ganz zufrieden sein. Dann empfiehlt sich die Wahl des MD 22L mit 36,5 kW/50 PS und Saildrive (Aufpreis 6190 Mark).

In der Bucht vor Palma haben frische 5 bis 6 Beaufort eine respektable Welle aufgebaut. Da genügen gut 70 Prozent der Segelfläche, der Rest verbleibt aufgewickelt auf dem Furlex-Profil und im Roll-Mast von Seldén. Das reicht völlig aus, um die 40er mit etwa 20 bis 25 Grad Krängung bei leicht gefierten Schoten mit Schaum vor dem Bug am Wind durch die Wellen toben zu lassen. Bis zu 8 Knoten über Grund loggt die GPS-Anzeige. Hoch am Wind erreicht das Schiff bei einem Wendewinkel von 100 Grad (ohne Abdrift) 7 Knoten, ein gutes Ergebnis. Später flaut der Wind auf etwa 4 bis 5 Beaufort ab. Das sind Bedingungen für die komplette Garderobe.

Die Genua und das Rollgroßsegel (beide von Elvstrøm) mit den flexiblen, rollbaren Latten lassen sich ordentlich trimmen. Unter allen Bedingungen liegt das Schiff ausgewogen auf dem Ruder. Nur wenn in den Böen die 25 Grad Krängung mal überschritten werden, zeigt sich zunehmender, aber noch nicht übermäßiger Ruderdruck. Bei dem anfänglichen Ritt unter Krängung durch die Welle vermisst man in dem sehr geräumigen Cockpit die Möglichkeiten, sich vernünftig festzuhalten und gegebenenfalls zu sichern. Für schweres Wetter muss hier nachgerüstet werden: Es fehlen Handläufe am Niedergang, Augbolzen zum Einpicken und robuste Fußleisten zum Abstützen, da die Duchten zu weit auseinander liegen.

Bavaria 40 unter Deck

Optik und Qualität weisen gewohntes Niveau auf. Licht und Lüftung sind dank einer zentralen Windhutze, vieler Decksluken und zu öffnender Fenster im Aufbau gut, in den Achterkammern ausreichend. Der Stauraum für den persönlichen Bedarf wird bei voller Belegung aller drei Kammern auf längeren Törns unter Deck etwas knapp. Dann muss die Crew aus der Tasche leben. Der seit Anfang dieses Jahres für die Ostsee vorgeschriebene Fäkaltank ist bei der Zwei-Kammer-Version leicht in der Backskiste als Falltank unterzubringen. In der Drei-Kammer-Version soll er hinter der Innenschale eingebaut werden. Bei Nachrüstung wird er hier wohl oder übel im Salon unter den Bänken seinen Platz finden müssen. Technische Installationen wurden ebenfalls in gewohnter Manier erledigt. Unangenehm fällt nur auf: Das Kupferrohr der Gasleitung ist in der Backskiste ungeschützt verlegt. Es kann dort durch schweres Staugut gequetscht werden.

Fazit des Yachttest der Bavaria 40

So sehr bei der Fertigung rationalisiert und an Arbeitsstunden gespart werden muss, bei den Decksbeschlägen und der Riggausstattung lässt sich Bavaria nicht lumpen. Vom Seldén-Rigg über die Hasselfors-Spanner oder Beschläge von Rutgerson oder Niro Petersen bis zu den Winschen von Harken trifft man auf beste Qualität. Die reichhaltige Standardausstattung trotz Kampfpreis – sei es das lederbezogene Steuerrad, Teak im Cockpit oder die elektrische Ankerwinde von Lofrans – ist eines der überzeugenden Argumente für eine Kaufentscheidung zugunsten der Bavaria 40!

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